Stiftung Mercator Schweiz: Gemeinsam wirken für eine zukunftsfähige Gesellschaft
Die Stiftung Mercator Schweiz gehört zu den bedeutenden privaten Förderstiftungen des Landes. Von ihrem Sitz in Zürich aus unterstützt und initiiert sie Projekte, die gesellschaftliche Veränderungen anstoßen und langfristig wirksam werden sollen. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die viele Lebensbereiche betreffen: Wie kann Demokratie gestärkt werden? Wie gelingt eine sozial gerechte Bewältigung der Klimakrise? Welche Bildung brauchen Kinder und Jugendliche für die Zukunft? Und wie lässt sich Digitalisierung so gestalten, dass sie der Gesellschaft dient?
Die Stiftung wurde von der Familie Karl Schmidt gegründet, die auch hinter der deutschen Stiftung Mercator mit Sitz in Essen steht. Beide Organisationen verfolgen ähnliche Grundüberzeugungen, arbeiten jedoch unabhängig voneinander. Seit Juni 2017 werden sie durch die gemeinnützige Meridian Stiftung und die von ihr gegründete Cambiata Stiftung finanziert. (stiftung-mercator.de)
Gemeinnützige Ziele und gesellschaftliche Verantwortung
Die Stiftung Mercator Schweiz versteht ihre Arbeit nicht lediglich als Vergabe finanzieller Mittel. Ihr Anspruch ist es, gesellschaftliche Probleme an ihren Ursachen zu bearbeiten und gemeinsam mit anderen Akteurinnen und Akteuren nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Dabei setzt sie auf Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Kultur und Wirtschaft.
Dieser Ansatz beruht auf der Überzeugung, dass komplexe Herausforderungen selten von einer einzelnen Organisation gelöst werden können. Der Klimawandel, die Digitalisierung oder die zunehmende politische Polarisierung überschreiten institutionelle und fachliche Grenzen. Deshalb fördert die Stiftung nicht nur einzelne Projekte, sondern auch Netzwerke, Lernprozesse und Formen der Zusammenarbeit. Sie möchte dazu beitragen, dass aus einzelnen Ideen tragfähige gesellschaftliche Veränderungen entstehen. (wirkung.stiftung-mercator.ch)
Die Stiftung beschreibt ihre Arbeitsweise als systemisch und kollaborativ. Systemisch bedeutet, dass nicht nur Symptome betrachtet werden, sondern auch die Strukturen und Bedingungen, die ein Problem hervorbringen. Kollaborativ bedeutet, dass Betroffene, Fachleute und Institutionen möglichst gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Die wichtigsten Themenfelder
Die Arbeit der Stiftung Mercator Schweiz konzentriert sich auf mehrere miteinander verbundene Bereiche. Zu ihren aktuellen Themen gehören Demokratie, Klima, Lernen der Zukunft, Digitalisierung und Gesellschaft, Diversität, Kunst und Kultur sowie Zivilgesellschaft und Philanthropie. (stiftung-mercator.ch)
Demokratie
Ein Schwerpunkt liegt auf der Stärkung demokratischer Gesellschaften. Dabei geht es nicht nur um Wahlen oder politische Institutionen, sondern auch um Vertrauen, Beteiligung und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten.
Die Stiftung unterstützt Projekte, die Menschen zur Mitwirkung befähigen, den gesellschaftlichen Dialog fördern oder neue Formen politischer Beteiligung erproben. Auch unabhängiger Journalismus und eine vielfältige Medienlandschaft spielen eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang beteiligt sich die Stiftung unter anderem an Initiativen zur Stärkung des Journalismus und des Schweizer Presserats. (wirkung.stiftung-mercator.ch)
Klima und nachhaltige Entwicklung
Die Klimakrise ist ein weiterer zentraler Bereich. Gefördert werden Projekte, die ökologische Veränderungen mit sozialen und wirtschaftlichen Fragen verbinden. Denn Klimapolitik kann langfristig nur erfolgreich sein, wenn sie gesellschaftlich akzeptiert wird und unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt.
Die Stiftung unterstützt deshalb nicht ausschließlich technische Lösungen. Ebenso wichtig sind neue Formen des Zusammenlebens, nachhaltige Ernährung, veränderte Mobilität, politische Kommunikation und soziale Innovationen. Im Jahresbericht 2025 wird hervorgehoben, dass technologische Fortschritte allein nicht ausreichen, um die Klimakrise zu bewältigen. Auch gesellschaftliche Veränderungen und neue Leitbilder sind notwendig. (2025.stiftung-mercator.ch)
Lernen der Zukunft
Bildung versteht die Stiftung als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Kinder und Jugendliche sollen unabhängig von ihrer Herkunft faire Chancen erhalten. Gleichzeitig verändert sich die Arbeits- und Lebenswelt durch Digitalisierung, Migration, Klimawandel und neue berufliche Anforderungen.
Projekte im Bereich „Lernen der Zukunft“ beschäftigen sich daher mit innovativen Lernformen, Bildungszugängen und der Frage, welche Fähigkeiten junge Menschen künftig benötigen. Auch wissenschaftliche Einrichtungen und Programme zur Förderung des akademischen Nachwuchses wurden von der Stiftung unterstützt. Ein Beispiel ist der Graduate Campus der Universität Zürich, dessen Aufbauphase zwischen 2011 und 2015 mit insgesamt 3,6 Millionen Franken gefördert wurde. (grc.uzh.ch)
Digitalisierung und Gesellschaft
Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, bringt aber auch Risiken mit sich. Algorithmen beeinflussen Entscheidungen, soziale Medien verändern öffentliche Debatten, und künstliche Intelligenz wirft Fragen nach Verantwortung, Transparenz und Macht auf.
Die Stiftung Mercator Schweiz unterstützt Projekte, die eine demokratische und gemeinwohlorientierte Gestaltung der Digitalisierung anstreben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie technische Entwicklungen so eingesetzt werden können, dass sie Teilhabe fördern, anstatt Ungleichheiten zu vertiefen.
Förderung und Zusammenarbeit
Organisationen mit einer passenden Projektidee können der Stiftung zunächst eine kurze Projektskizze vorlegen. Wenn das Vorhaben grundsätzlich zur Strategie passt, kann in einem zweiten Schritt ein ausführlicher Antrag eingereicht werden. Die Stiftung fördert Projekte in ausgewählten Themenfeldern und erwartet in der Regel einen klaren Schweizbezug, hohe Qualität, Originalität und das Potenzial für eine breitere Wirkung. Auch Kooperationen und sektorübergreifende Zusammenarbeit spielen eine wichtige Rolle. (portal.stiftung-mercator.ch)
Neben finanzieller Unterstützung bietet die Stiftung Workshops, Peer-Learning-Veranstaltungen und weitere Austauschformate an. Dadurch sollen geförderte Organisationen nicht nur Geld erhalten, sondern auch Wissen teilen, voneinander lernen und gemeinsame Strategien entwickeln. 2025 nahmen laut Jahresbericht mehr als 1.000 Personen an 34 Workshops und Peer-Learning-Veranstaltungen teil. (2025.stiftung-mercator.ch)
Zahlen und Bedeutung
Im Jahr 2025 verfügte die Stiftung Mercator Schweiz über ein Gesamtbudget von 19,7 Millionen Franken. Davon wurden rund 17,8 Millionen Franken für Förderungen und projektbezogene Leistungen eingesetzt. Für Demokratie waren rund 5,3 Millionen Franken vorgesehen, für den Bereich Klima etwa 5 Millionen Franken. Weitere Mittel flossen unter anderem in die Programme „Lernen der Zukunft“ und „Entwicklungslabor“. Insgesamt wurden 99 neue Projekte bewilligt. (2025.stiftung-mercator.ch)
Diese Zahlen zeigen die finanzielle Bedeutung der Stiftung, sagen jedoch allein noch nichts über ihre gesellschaftliche Wirkung aus. Entscheidend ist, ob geförderte Projekte dauerhaft Veränderungen bewirken, neue Kooperationen hervorbringen oder politische und gesellschaftliche Debatten beeinflussen. Genau hier setzt der Wirkungsansatz der Stiftung an: Sie möchte nicht nur kurzfristige Aktivitäten ermöglichen, sondern Entwicklungen unterstützen, die über einzelne Projekte hinausreichen.
Chancen und Herausforderungen
Private Stiftungen können dort tätig werden, wo staatliche Förderprogramme zu langsam, zu festgelegt oder zu wenig risikobereit sind. Sie können neue Ideen ausprobieren, Pilotprojekte finanzieren und Akteurinnen und Akteure miteinander vernetzen. Dadurch entsteht Raum für Innovation.
Gleichzeitig tragen Stiftungen eine besondere Verantwortung. Weil sie über private Mittel verfügen, müssen ihre Entscheidungen nachvollziehbar, transparent und gemeinwohlorientiert sein. Die Stiftung Mercator Schweiz begegnet dieser Herausforderung unter anderem durch Jahresberichte, Angaben zu Fördermitteln und eine öffentliche Darstellung ihrer Themen und Arbeitsweise.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, gesellschaftliche Wirkung angemessen zu messen. Demokratie, Bildung oder kultureller Wandel lassen sich nicht immer in einfachen Kennzahlen ausdrücken. Fortschritte entstehen oft langsam und indirekt. Deshalb braucht es neben quantitativen Daten auch qualitative Auswertungen, Erfahrungswissen und eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Förderentscheidungen.
Fazit
Die Stiftung Mercator Schweiz versteht sich als Förderin gesellschaftlicher Veränderung. Ihre Arbeit reicht von Demokratie und Journalismus über Klimaschutz und Bildung bis zur verantwortungsvollen Gestaltung der Digitalisierung. Charakteristisch ist der Versuch, nicht isoliert zu fördern, sondern verschiedene gesellschaftliche Kräfte miteinander zu verbinden.
Damit nimmt die Stiftung eine Rolle zwischen Philanthropie, Zivilgesellschaft und gesellschaftlicher Innovation ein. Ihr Beitrag besteht weniger darin, fertige Antworten zu liefern, als darin, neue Ideen zu ermöglichen, Kooperationen anzustoßen und langfristige Veränderungsprozesse zu begleiten. In einer Zeit, in der ökologische, technologische und soziale Umbrüche gleichzeitig stattfinden, gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung.