Die Stiftung Mercator Deutschland: Gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichen
Die Stiftung Mercator gehört zu den großen privaten Förderstiftungen Deutschlands. Sie wurde 1996 von der Unternehmerfamilie Schmidt aus Duisburg gegründet und trägt den Namen des Kartographen und Humanisten Gerhard Mercator. Hauptsitz ist Essen; weitere Standorte befinden sich unter anderem in Berlin, Istanbul und Peking. Seit ihrer Gründung unterstützt die Stiftung Projekte, die zu einer offenen, solidarischen und demokratischen Gesellschaft beitragen sollen. (jahresbericht.stiftung-mercator.de)
Im Zentrum ihrer Arbeit stehen nicht kurzfristige Einzelmaßnahmen, sondern langfristige gesellschaftliche Veränderungen. Die Stiftung will Wissen zugänglich machen, politische Entscheidungsprozesse verbessern, demokratische Beteiligung stärken und Akteure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander verbinden. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, gemeinsam mit einem breiten Netzwerk demokratischer Kräfte gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen. (stiftung-mercator.de)
Vier zentrale Arbeitsbereiche
Seit Beginn der neuen fünfjährigen Strategieperiode im Jahr 2026 konzentriert sich die Stiftung auf vier Themenfelder: Digitalisierte Gesellschaft, Europa in der Welt, klimaresiliente Gesellschaft sowie Teilhabe und Zusammenhalt. Diese Bereiche sind eng miteinander verbunden. Digitalisierung beeinflusst demokratische Prozesse, Klimapolitik betrifft soziale Gerechtigkeit, und europäische Zusammenarbeit ist angesichts globaler Krisen für politische Stabilität von großer Bedeutung. (stiftung-mercator.de)
Digitalisierte Gesellschaft
Die Stiftung setzt sich für eine Digitalisierung ein, die sich an demokratischen Grundrechten und am Gemeinwohl orientiert. Dabei geht es um Fragen der digitalen Öffentlichkeit, um den Einfluss großer Technologieunternehmen, um künstliche Intelligenz und um die Regulierung digitaler Plattformen.
Gefördert werden unter anderem wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Projekte, die digitale Entwicklungen untersuchen und verständlich machen. Ein Ziel besteht darin, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger mit belastbarem Wissen zu versorgen. Außerdem unterstützt die Stiftung Initiativen, die eine gemeinwohlorientierte Technologiepolitik und eine stärkere digitale Handlungsfähigkeit Europas fördern.
Im Jahr 2025 entwickelte die Stiftung hierzu ein neues Förderportfolio. Ein Schwerpunkt liegt auf Wettbewerbspolitik, mit der die Marktmacht großer ausländischer Technologieunternehmen begrenzt und europäische Abhängigkeiten verringert werden sollen. (jahresbericht.stiftung-mercator.de)
Europa in der Welt
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Rolle Europas in einer zunehmend multipolaren Welt. Die Stiftung unterstützt ein geeintes, friedliches und handlungsfähiges Europa. Dabei geht es nicht nur um die innereuropäische Zusammenarbeit, sondern auch um Beziehungen zu Regionen wie Afrika, Asien, China und der Türkei.
Gefördert werden Forschung, Bildungsprogramme, politische Dialoge und internationale Netzwerke. Sie sollen helfen, gegenseitiges Verständnis zu verbessern und gemeinsame Antworten auf globale Herausforderungen zu entwickeln. Themen wie Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Migration, internationale Sicherheit und wirtschaftliche Abhängigkeiten spielen dabei eine wichtige Rolle.
Zu den Partnerorganisationen der Stiftung gehört beispielsweise das Mercator Institute for China Studies, kurz MERICS. Auch das Bildungsnetzwerk China und die Deutsch-Türkische Jugendbrücke stehen für den Versuch, langfristige Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und anderen Weltregionen zu stärken. (jahresbericht.stiftung-mercator.de)
Klimaresiliente Gesellschaft
Die Stiftung betrachtet Klimapolitik nicht allein als Frage der Emissionsminderung. Seit der Strategieanpassung wird stärker berücksichtigt, wie sich Gesellschaften an unvermeidbare Folgen des Klimawandels anpassen können. Ziel ist eine integrierte und sozial ausgewogene Klimapolitik.
Gefördert werden Projekte, die Klimaschutz, Anpassung an Klimafolgen und soziale Gerechtigkeit miteinander verbinden. Dazu gehören beispielsweise politische Konzepte, wissenschaftliche Analysen, neue Formen gesellschaftlicher Zusammenarbeit und Ansätze zur nachhaltigen Veränderung von Wirtschaft und Alltag.
Die Stiftung betont, dass technische Innovationen allein nicht ausreichen. Ebenso notwendig sind politische Entscheidungen, gesellschaftliche Akzeptanz und Veränderungen bei Mobilität, Ernährung, Energieversorgung und Stadtentwicklung. Eine erfolgreiche Klimapolitik muss deshalb unterschiedliche Interessen berücksichtigen und soziale Ungleichheiten vermeiden oder verringern. (stiftung-mercator.de)
Teilhabe und Zusammenhalt
Ein weiterer zentraler Arbeitsbereich ist die Frage, wie Menschen unabhängig von Herkunft, Einkommen oder sozialer Lage an der Gesellschaft teilhaben können. Die Stiftung reagiert damit auf wachsende soziale Unsicherheit, politische Polarisierung und sinkendes Vertrauen in demokratische Institutionen.
Gefördert werden Projekte, die Begegnungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen ermöglichen, politische Beteiligung stärken und benachteiligte Gruppen besser in Bildung, Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einbeziehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei auch kommunalen Strukturen, weil Demokratie im Alltag häufig vor Ort erfahrbar wird.
2025 unterstützte die Stiftung unter anderem Vorhaben zur Teilhabe junger Menschen ohne Berufsabschluss am Arbeitsmarkt. In Zusammenarbeit mit JOBLINGE sollen neue Wege in Ausbildung und Beschäftigung erprobt werden. Außerdem arbeitet die Stiftung mit dem Netzwerk junger Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte zusammen, um demokratische Strukturen und kommunalpolitisch engagierte Menschen zu stärken. (jahresbericht.stiftung-mercator.de)
Förderung und Zusammenarbeit
Die Stiftung Mercator versteht sich nicht lediglich als Geldgeberin. Sie möchte auch Räume schaffen, in denen verschiedene gesellschaftliche Akteure gemeinsam lernen und Lösungen entwickeln. Zu diesem Zweck verbindet sie Organisationen aus Forschung, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Ein Beispiel dafür ist die Förderung von Bündnissen, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete politische Handlungsempfehlungen übersetzt werden. Auch Workshops, Fachveranstaltungen und Netzwerktreffen gehören zu diesem Ansatz. Die Stiftung unterstützt außerdem eigene Partnergesellschaften, die in bestimmten Themenfeldern dauerhaft Wissen und Expertise aufbauen.
Eine solche Arbeitsweise kann größere Wirkung entfalten als die isolierte Finanzierung einzelner Projekte. Wenn unterschiedliche Organisationen zusammenarbeiten, können sie Erfahrungen bündeln, neue Perspektiven einbeziehen und politische Veränderungen besser vorbereiten. Zugleich erhöht eine breite gesellschaftliche Trägerschaft die Chance, dass Reformen langfristig akzeptiert werden.
Umfang der Förderung
Die finanziellen Mittel der Stiftung sind beträchtlich. Im Jahr 2025 wurden rund 61,3 Millionen Euro für Projekte aufgewendet. Die Stiftung unterstützte 80 neue Vorhaben; seit ihrer Gründung hat sie insgesamt rund 1,08 Milliarden Euro für 2.240 Projekte bereitgestellt. (stiftung-mercator.de)
Die Stiftung arbeitet dabei nach eigenen Angaben transparent und orientiert sich an den Grundsätzen guter Stiftungspraxis. Sie veröffentlicht Informationen zu ihren Förderungen, Projekten und Finanzen. Die Mittel stammen aus dem Vermögen der Stifterfamilie und werden unter anderem über die Meridian Stiftung bereitgestellt, die alleinige Gesellschafterin der Stiftung Mercator GmbH ist. (jahresbericht.stiftung-mercator.de)
Chancen und Herausforderungen
Private Stiftungen können gesellschaftliche Innovationen fördern, bevor sie von staatlichen Programmen übernommen werden. Sie können Risiken eingehen, neue Netzwerke aufbauen und Themen auf die politische Tagesordnung setzen. Besonders bei langfristigen Fragen wie Klimawandel, Digitalisierung oder gesellschaftlichem Zusammenhalt ist diese unabhängige Förderfunktion wertvoll.
Gleichzeitig verfügen Stiftungen über private Mittel und nehmen dadurch Einfluss auf öffentliche Debatten. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung. Förderentscheidungen müssen nachvollziehbar sein, und die Wirkung der Projekte sollte regelmäßig überprüft werden. Gesellschaftliche Veränderungen lassen sich allerdings nicht immer in einfachen Zahlen messen. Vertrauen, demokratische Beteiligung oder sozialer Zusammenhalt entstehen meist langsam und sind von vielen Faktoren abhängig.
Die Stiftung Mercator versucht, diesen Herausforderungen durch Evaluation, Transparenz und strategische Weiterentwicklung zu begegnen. Ihre neue Strategie zeigt, dass sie auf politische und gesellschaftliche Veränderungen reagiert und Förderziele anpasst.
Fazit
Die Stiftung Mercator Deutschland ist eine einflussreiche private Förderstiftung mit einem breiten gesellschaftspolitischen Anspruch. Sie engagiert sich für Demokratie, soziale Teilhabe, europäische Zusammenarbeit, digitale Grundrechte und eine sozial gerechte Klimapolitik.
Besonders kennzeichnend ist ihr Versuch, nicht nur einzelne Projekte zu finanzieren, sondern langfristige Kooperationen und gesellschaftliche Lernprozesse zu ermöglichen. Ihre Wirkung entsteht daher sowohl durch finanzielle Förderung als auch durch Netzwerke, Wissenstransfer und öffentliche Debatten.
In einer Zeit, in der demokratische Institutionen unter Druck stehen und ökologische, technologische und soziale Veränderungen gleichzeitig bewältigt werden müssen, sieht sich die Stiftung Mercator als Teil eines größeren demokratischen Bündnisses. Ihr Anspruch besteht darin, gemeinsam mit anderen Akteuren tragfähige Lösungen zu entwickeln und gesellschaftlichen Fortschritt praktisch voranzubringen.