Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026

Philippe Sands erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Frankfurt am Main, 11. Oktober 2026. Der französisch-britische Jurist und Schriftsteller Philippe Sands ist heute in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse statt. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird seit 1950 vergeben. (deutschlandfunk.de)

Der Stiftungsrat würdigte Sands als engagierten Humanisten, der sich beharrlich für Menschenrechte, Gerechtigkeit und die Verständigung zwischen den Völkern einsetzt. Als Professor in London und Menschenrechtsanwalt am Internationalen Gerichtshof in Den Haag verbindet Sands juristische Arbeit mit literarischer und historischer Analyse. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Bücher über Völkerrecht, Menschenrechtsverletzungen und die Verbrechen des Nationalsozialismus. (deutschlandfunk.de)

Die Laudatio hielt die Historikerin und Judaistin Mirjam Zadoff, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München. In der Begründung für die Auszeichnung hob der Börsenverein des Deutschen Buchhandels besonders Sands’ Einsatz für die „beharrliche Verteidigung des Völkerrechts“ hervor. Seine eigene Familiengeschichte – Sands ist Nachkomme von Holocaustüberlebenden – prägt seine Auseinandersetzung mit den Begriffen Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. (de.linkedin.com)

In seiner Dankesrede bezog Sands deutlich Stellung zu aktuellen internationalen Konflikten. Er forderte unter anderem eine stärkere Unterstützung der Ukraine. Zugleich kritisierte er Deutschlands Umgang mit Israel und warf dem Land ein „unanständiges Schweigen“ angesichts von Völkerrechtsverletzungen vor. Kritik an der israelischen Regierung müsse möglich sein, erklärte Sands, ohne deshalb als antisemitisch oder antiisraelisch abgetan zu werden. Entscheidend sei, Rechtsverletzungen auch unter Freunden klar zu benennen. (deutschlandfunk.de)

Die Rede verlieh der Preisverleihung eine politische Schärfe. Sands machte deutlich, dass Frieden für ihn nicht allein die Abwesenheit bewaffneter Konflikte bedeutet. Frieden setzt aus seiner Sicht vielmehr die Geltung des Rechts, den Schutz der Menschenwürde und die Bereitschaft voraus, historische Verantwortung zu übernehmen. Damit knüpfte er an das Selbstverständnis des Friedenspreises an, mit literarischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Mitteln Debatten über Frieden und Verständigung anzustoßen.

Mit der Auszeichnung reiht sich Philippe Sands in eine lange Liste international bedeutender Friedenspreisträger ein. Zu den früheren Geehrten gehören unter anderem Albert Schweitzer, Yehudi Menuhin, Astrid Lindgren, Václav Havel und Salman Rushdie. Die Verleihung in der Paulskirche unterstrich erneut die Verbindung von Literatur, politischer Verantwortung und gesellschaftlicher Einmischung

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